Posted by herr.filmtanz on Nov 2, 2013

Baltasar Kormákurs – The Deep (Djúpið) + Making-Off Video | Kritik

Der Seehund-Mann und die Möwe Jonathan.
„Du kannst erreichen, was du wirklich willst“

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Der in Island geborene Regisseur Baltasar Kormákur nimmt uns in diesem Film mit, die wahre Geschichte des Fischers Gulli zu erzählen, die sich im Jahr 1984 zugetragen hat. Gulli wird der einzige Überlebende sein, nachdem der Fischkutter mitten im eiskalten Atlantik gesunken ist. Nur er wird wie durch ein Wunder auf die Insel Vestmannaeyjar (Westmännerinsel) in Island zurückkehren. Vestmannaeyjar, eine Insel geprägt von Naturgewalten. Vulkanausbruch im Januar 1973, der Ausbruch dauerte fünf Monate. Der Film wird uns Original-Bilder dieser Tragödie zeigen. Der Vulkan Eldfell auf Vestmannaeyjar ist erloschen und erkaltet. Ein erneuter Ausbruch ist unwahrscheinlich aber nicht unmöglich. Wer hier lebt ist ein Mensch der das Meer braucht wie die Luft zum Atmen. Ein Fischer und Seemann im tiefsten Herzen. In Mitten der Naturgewalten ist der Zusammenhalt in der Gesellschaft von immenser Wichtigkeit.

Der Vorabend vor der Katastrophe gestaltet sich auf Vestmannaeyjar wie es die Insel schon tausende mal erlebt hat. Die Fischer warten bis der Sturm verzogen ist um dann am nächsten Tag mit der gewohnten Routine aufs Meer hinaus zu fahren und Fische zu fangen. Der korpulente Gulli (Ólafur Darri Ólafsson) begibt sich am Morgen des Unglückstages, mit einem ordentlichen Kater vom Vorabend, auf den Weg zu Fischkutter. Alles Routine, Proviant einladen, Fischkutter starklar machen und los geht es zum Fischfang.

Bereits kurze Zeit später bebildert der Film schon, der Tag steht unter keinem guten Stern. Das Netz verfängt sich in einem Felsen. Bilder die mit den Unterwasseraufnahmen deutlich machen, wie gefährlich das Fischen im Atlantik ist. Es geht aber alles gut und die Reise geht weiter. Die Fischer vertreiben sich bis zum nächsten Netz-Auswerfen damit, den neuen Koch zu sticheln und eine Runde zu quatschen. Speziellen Humor hat hierbei die Stelle wo einer den anderen fragt, hast du ‘Der weiße Hai’ zuende gesehen ?

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Kurz vor 21:30 Uhr. Lufttemperatur -3 Grad, Wassertemperatur 5 Grad.
Das Schleppnetz verfängt sich abermals, der Kapitän glaubt das neue Netz befreien zu können. Diesmal geht es nicht gut. Das Schiff kentert und Gulli mit seiner Besatzung befindet sich Meilen weit weg von der Küste im 5 Grad kalten Wasser. Aus dem Blickwinkel von Gulli bebildert der Regisseur Baltasar Kormákur im folgenden das Sterben der gesamten Besatzung. Die Bilder wirken wie eine würdevolle und ruhig inszenierte Seebestattung.

“Die Natur hat uns erschaffen. Wir geben den Körper des Seemanns lautlos dem Meer zurück. Möge seine Seemanns-Seele immer in unserem Herzen mit uns sein.”

Gulli beginnt zu schwimmen, in dem 5 Grad kalten Wasser. Sechs Stunden wird er in absoluter Dunkelheit durch den Atlantik schwimmen. Unglaublich eindrucksvoll hat hierbei der Regisseur Baltasar Kormákur die Gedankenwelt und Reflektionen von Gulli bebildert. Ich habe mich in diesem Moment gefragt, an was würde ich denken wenn ich in dieser Situation wäre.
In dieser Situation braucht es nicht nur das Wunder in dem kalten Wasser zu überleben sondern auch ein weiteres Wunder. Fast wie in einer Symbiose mit der Natur beginnt er mit einer Möwe zu reden. Ich habe sie beim Anschauen des Films spontan “Die Möwe Jonathan” getauft. Sie wird sein Navigator in der Dunkelheit sein und seine unbändige Kraft zu Leben stärken. Auch wenn die Möwe nur dem Gedanken entsprungen sein mag, das sind Szenen die unglaublich fühlbar intensiv sind.

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Gulli erreicht die Küste von Vestmannaeyjar und wird weitere zwei Stunden Barfuss über den erloschenen Vulkan Eldfell laufen, bevor er in der Haustür einer Familie zusammenbricht und Hilfe bekommt.

Im dritten Abschnitt des Films feiert die Presse Gulli als Helden. Die Wissenschaft interessiert sich für das Menschen unmögliche Wunder. Ein Wunder das doch eine wissenschaftliche Antwort haben muss. Die Wissenschaft kommt zu keinem fundierten Ergebnis, bis auf das sein Körperfett am esten der eines Seehundes gleicht. Daher kommt auch der Name, der Seehund-Mann.
Gulli bleibt hierbei immer bescheiden, er will kein Held sein. Ein Held der über alles gestellt wird. Für ihn ist die Welt nach dem Wunder der Weg zurück zum Meer, wofür sein Herz schlägt. Wir erleben bis zu dem fantastischen Ende aber auch diese Szenen wenn er die Kinder des verstorbenen Fischers in die Arme nimmt. Aber auch Szenen wo Menschen durch einen Spalt in der runtergezogenen Jalousie auf ihn schauen, ein Moment bei dem man sehr stark fühlen kann wie unangenehm er es empfindet. Starke Bilder und Szenen die unvergessen bleiben und man am Ende die Liebe zum Meer im Herzen von Gulli spüren kann :-)

Nach dem Trailer folgt noch ein Making-Off zu dem Film, welches man unbedingt auch anschauen sollte. Es zeigt unter welchem Einsatz der Film entstanden ist. Ein intensiver Film ganz ohne Computer-Effekt. Der fantastische Regisseur Baltasar Kormákur erzählt hier auch über den Film.
Im Abschluss dann noch eine Landkarte von Vestmannaeyjar (Westmännerinsel). Hat man den Film angeschaut, macht das nachvollziehen der Locations auf der Karte richtig Spass :-)

Baltasar Kormákur ist hier ein wunderbarer Film gelungen, der die wahre Geschichte sehr mitfühlend , ruhig und authentisch bebildert. Das Authentische wirkt hier wie eine Dokumentation, was den Film sehr besonders macht :-)

Tipp: Den Abspann nach dem Film unbedingt anschauen :-)

Die eindrucksvollsten Geschichten schreibt das Leben selbst: 1984 kentert ein mit sechs Mann besetzter isländischer Fischerkutter mitten in der Nordsee. Am Ende schafft es nur einer lebend an Land. Der etwas korpulente Gulli (Ólafur Darri Ólafsson) ist sechs Stunden durch das bitterkalte Wasser geschwommen und hat es sogar noch zurück in sein Heimatdorf geschafft. Die medizinische Fachwelt ist erstaunt, dass so etwas möglich ist, die isländische Bevölkerung feiert ihn gar als Helden. Ehe sich Gulli versieht, ist er plötzlich berühmt und wird einer Reihe von Tests unterzogen, um dem Wunder seines Überlebens auf die Spur zu kommen.

Genre: Drama
Regie: Baltasar Kormákur
Schauspieler: Ólafur Darri Ólafsson, Theodór Júlíusson, Jóhann G. Jóhannsson, Þorbjörg Helga Þorgilsdóttir, María Sigurðardóttir, Björn Thors
Produktionsland: Island, Norwegen
Kinostart: 2012
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: 12

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