Posted by herr.filmtanz on Dec 25, 2018

DREI GESICHTER | Jafar Panahi | Kino-Tipp

Es wird gemutmaßt, der geliebte Jafar Panahi habe einen neuen Film gedreht.

Die neuen Freiheitsgrade spannen in diesem Roadmovie ein hoffnungsvolles Plädoyer der Menschlichkeit auf. Es sind Tränen der Freude und eine Umarmung von Herzen, dass es solch wunderbare Menschen wie Jafar Panahi gibt. Erinnert man sich zudem an die Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh in TAXI TEHERAN, muss ich an dieser Stelle diesen Seelen meine tiefste Hochachtung aussprechen. DREI GESICHTER öffnet mit dem wunderbaren Humor von Panahi ein Blick in die Zukunft, dieser fremden Kultur. Eine große Freude im Herzen, ein dringlicher Sehbefehl.

Jafar Panahi wollte einen Blick zurück auf die iranische Kinogeschichte werfen und erkunden, was Künstlern zu verschiedenen Zeiten auf unterschiedliche Weise den Weg versperrt hat. Daraus entstand die Idee, durch die drei verschiedenen Figuren der Schauspielerinnen drei Generationen darzustellen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

“Übrigens, diese Rose ist ein Gruß an die Filmleute, für sie leg ich sie dahin, weil sie ganz wunderbare Menschen sind” * Nasrin Sotudeh *

Kino-Zeit Kinofinder – DREI GESICHTER – Kinostart 26.12.2018

Die geliebten Filmseelen Beatrice Behn und Joachim Kurz berichten hier für Kino-Zeit zu DREI GESICHTER vom Filmfestival in Cannes 2018.

Aus der Komposition dieser drei Geschichten entstand das Bild der schmalen und kurvenreichen Straße; eine konkrete Metapher für alle Einschränkungen, die Menschen davon abhält, ihren Weg zu gehen und sich weiterzuentwickeln. Diese Straße, die für das Drehbuch benötigt wurde, existiert tatsächlich, auch wenn sie heute nicht mehr genutzt wird. Autofahrer nutzen für gewöhnlich eine andere, breitere und befestigte Straße.

Soziale Netzwerke sind im Iran sehr populär. Es gibt immer wieder verrückte Versuche, über soziale Medien zu anderen Menschen Kontakt aufzunehmen, insbesondere zu prominenten Filmschaffenden. Trotz seiner Position als offiziell verbotener Regisseur im eigenen Land bleibt Jafar Panahi ein populärer Empfänger solcher Nachrichten – viele von jungen Menschen, die selbst Filme drehen wollen. Normalerweise löscht er sie, aber manchmal ist er von ihrer Aufrichtigkeit und Intensität so berührt, dass er sich mehr Gedanken zu den Absendern macht. Eines Tages erhielt er eine besorgniserregende Nachricht auf Instagram, während zur gleichen Zeit die Zeitungen von einem jungen Mädchen berichteten, das Suizid begangen hatte, weil es ihr verboten wurde, Filme zu machen. Panahi stellte sich vor, er hätte ein Video von diesem Suizid über die sozialen Medien erhalten und er fragte sich, wie er darauf reagiert hätte. So entstand die Idee zu DREI GESICHTER.

Die bekannte iranische Schauspielerin Behnaz Jafari erhält eine Videobotschaft eines weiblichen Fans. Gemeinsam mit ihrem Freund, dem Regisseur Jafar Panahi, macht sie sich auf die Suche nach dem Mädchen. Die Reise in den Norden des Landes bringt überraschende Begegnungen: Dorfbewohner, die einspurige Bergstraßen mit cleveren Hupecodes passierbar machen; alte Frauen, die in ausgehobenen Gräbern Probe liegen, und potente Zuchtbullen, die den Weg versperren. Im Bergdorf des Mädchens angekommen, versuchen die beiden das Geheimnis um das Video endlich zu lösen.

Nach dem Berlinale-Gewinner TAXI TEHERAN, der die Herzen der Zuschauer im Sturm eroberte, nimmt uns Jafar Panahi in seinem liebevollen Roadmovie DREI GESICHTER erneut mit auf eine pointenreiche Fahrt durch seine Heimat. Mit Humor und Herzlichkeit gelingt dem iranischen Regisseur ein hoffnungsvolles Plädoyer für Freiheit und Menschlichkeit, das aktueller und globaler nicht sein könnte. Ein intelligentes Kinovergnügen, das in Cannes die Palme für das Beste Drehbuch gewann.

Anders als bei TAXI TEHERAN, in dessen Abspann keine Namensangaben zu finden sind, werden bei DREI GESICHTER alle Namen genannt: Ein mutiges Zeichen und Beweis für den Stimmungswandel im Iran.

Am 25. Mai 2010 kam er gegen die Zahlung einer Kaution von 200.000 US-Dollar stark abgemagert bis zum Beginn des Strafprozesses frei. Panahi wurde im Dezember 2010 schließlich wegen „Propaganda gegen das System“ zu sechs Jahren Haft verurteilt und erhielt ferner ein 20-jähriges Berufs-, Ausreise- und Interviewverbot.

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Regie: Jafar Panahi
Darsteller: Jafar Panahi, Behnaz Jafari, Marziyeh Rezaei
Genre: Drama, Roadmovie
Produktionsland: Iran
Produktionsjahr: 2018
Kinostart: 26.12.2018

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