Posted by herr.filmtanz on Dec 21, 2013

Nokan – Die Kunst des Ausklangs – Departures [Kritik]

Der Klang von Schönheit und Reinheit auf der letzen Reise

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Nachdem Daigo (Masahiro Motoki) seinen Job als Cellist verloren hat zieht er mit seiner Frau Mika (Ryoko Hirosue) zurück in seine Heimat in das Haus seiner Mutter, welches sie ihm nach ihrem Tod hinterlassen hat. Auf der Suche nach einem Job entdeckt er eine Stellenausschreibung der NK-Agentur. Beschrieben wird die NK-Argentur mit “Wir beraten und helfen bei der Reise”. Daigo glaubt es handelt sich hierbei um ein Reisebüro und wird direkt vorstellig bei dem Chef Sasaki (Tsutomu Yamazaki). Sasaki stellt ihn sofort ein und drückt ihm direkt auch noch etwas Geld in die Hand. Daigo ist überglücklich vor Freude in diesem Moment. In Wahrheit handelt es sich bei der NK-Agentur aber nicht um ein Reisebüro, sondern um das Handwerk Verstobene in einer Zeremonie auf die “Letzte Reise” vorzubereiten. In der Stellenausschreibung hätte es lauten sollen “Wir beraten und helfen bei der letzen Reise”. Der Name NK der Agentur steht hierbei für Nokan (Aufbahren).

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Das der Chef Sasaki ihm direkt einen Lohn für den ersten Tag in die Hand drückt, wirkt im ersten Moment seltsam, wird aber sofort klar wenn man folgenden Hintergrund kennt. Als Buraku (Sondergemeinde) würden früher in Japan von der Bevölkerung abgegrenzte Wohngebiete bezeichnet. Die Barakumin galten mit Berufen wie Leichenwäscher, teils aus buddhistischen Motiven, als unrein und wurden von der Bevölkerung nicht geachtet. Genau aus diesen Gründen verheimlicht er seiner Frau Mika seine wahre Tätigkeit in der Firma Nokan. Wir werden aber später eine Szene sehen wo Mika die wahre Natur seiner Tätigkeit herausfindet und ihn mit den Worten “Du bist unrein” verlässt. Sie kann den Beruf des Leichenwäschers zunächst nicht akzeptieren.

Daigo begibt sich als Lehrling mit seinem Chef Sasaki zu den Hinterbliebenen die Kunst der Sarglegung zu erlernen. Es ist eine Zeremonie in der unter Beteiligung der Angehörigen der Verstorbene auf seine letze Reise vorbereitet wird. Anfänglich komponiert der Regisseur die Zeremonie und die Konfrontation mit dem Tod in einer sehr gekonnten Symphonie aus Schmerz und auch einem auf den Punkt perfekt platzierten Humor.

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Als Zuschauer habe ich mich gefühlt als währe ich selbst Daigo und würde die Kunst der Sarglegung erlernen. Immer stiller werdend taucht man in diese Zeremonie ein. Intime Momente der Ruhe und Bewunderung beim Zuschauen dieser Zeremonie. Momente in denen man immer intensiver Gedanken über das Leben und den Tod harmonisch im Herzen bewegt. Wie das harmonische Streichen eines Bogens erklingt der tote Körper in wunderbarer Schönheit und Reinheit wie der Klang eines Cellos :-)

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Tiefste Bewunderung und Hochachtung für diese Zeremonie empfinde ich im Herzen. Wunderbarer kann man von einem Verstorbenen nicht Abschied nehmen :-)

Dieser Asiatische-Film ist ein Meisterwerk im Umgang mit dem Tod, den ich immer im Herzen tragen werde und mir sehr viel bedeutet. Yojiro Takita hat sich von ganzem Herzen den 2009 erhaltenen Oscar für diesen Film verdient :-)

Tipp, nicht aufspringen nach dem Film und den Abspann anschauen :-)

Originaltitel: Okuribito
Genre: Drama
Regie: Yojiro Takita
Schauspieler: Tsutomu Yamazaki, Masahiro Motoki, Ryoko Hirosue, Kazuko Yoshiyuki
Produktionsland: Japan
Kinostart: 2009
Laufzeit: 131 Minuten

Mit diesem wunderbaren Musik-Stück möchte ich an vier sehr liebe aber leider verstorbene Menschen gedenken :-)

 

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One Response to “Nokan – Die Kunst des Ausklangs – Departures [Kritik]”

  1. Lina Luna says:

    Den wollte ich auch schon lange sehen. Mist, bei Watchever leider nicht vorhanden…

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