Posted by herr.filmtanz on Sep 19, 2015

Nothing Personal

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Einsamkeit ist Freiheit – Es ist nicht unsere Aufgabe nach leidiger Perfektion zu streben

Mit dem Aufbruch nach Irland lässt Anne ihr komplettes Leben, gesellschaftliche Zwänge und soziale Kontakte hinter sich zurück. Sie möchte nicht mal einen Namen haben und nur mit “Du” angesprochen werden. Ihre Entscheidung der selbstgewählten Einsamkeit ist ein sehr radikaler Einschnitt in ihrem Leben. Anne ist rau, schroff, undurchschaubar und undurchdringlich, sie ist nicht bereit auch nur das geringste über sich preiszugeben. Beim kleinsten Regelverstoss riskiert Martin das Anne weiterzieht. Anne möchte so akzeptiert werden wie sie ist. Als Zuschauer wird man die wahren Beweggründe für ihre Entscheidung nicht erfahren, höchstens sehr versteckt bei einer Szene wo sie alleine Musik hört und daraufhin …

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Eine Liebesgeschichte des Privilegs der Einsamkeit und Freiheit, so könnte man den Film beschreiben. Man fühlt sich wie der intellektuelle Martin, der sich sehr behutsam und ruhig auf Anne zubewegt und sie versucht zu verstehen. Eine sehr langsame Annäherung, die mich unglaublich fasziniert hat, und von Anne angenommen und erwidert wird. Gesten die das sich gegenseitige Achten beiderseits reflektieren und stellenweise mit einer sehr gekonnten Ironie untermalt werden. Wortlose Szenen bei der man Anne in einer auf ein Minimum reduzierten Szene Musik hören sieht, in ihre Augen blickt, und die Reflektionen der Vergangenheit fühlen kann. Musik die auch Freiheit sein kann, kann sie doch sowohl zur Reflektion dienen aber auch ermöglichen, für einen Moment frei in einer anderen Welt zu sein. Viele Momente der Stille in dieser wunderschönen Landschaft, die faszinierend Tiefgründig sind in Bezug auf Einsamkeit und Freiheit.

Der Regisseurin Urszula Antoniak (eine in den Niederlanden lebende polnische Regisseurin) ist hier ein Meisterwerk in Bezug auf das Thema “Selbstgewählte und tatsächliche Einsamkeit” gelungen. Sie hat selbst nach dem Tod ihres Mannes fünf Jahre zurückgezogen aus der Öffentlichkeit gelebt. Eine Zeit in der sie Kraft und Halt gefunden hat, und daraufhin dieser Film entstanden ist.

Nothing Personal (2009) und Code Blue (2011) sind zwei Filme die mir sehr viel bedeuten. Dafür bin ich Urszula Antoniak aus tiefstem Herzen dankbar!

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Besonderen Lob von ganzem Herzen gilt der grandiosen niederländischen Schauspielerin Lotte Verbeek, welche die Anne so unglaublich authentisch und bis in die eigene Seele fühlbar verkörpert.



Ein Interview mit Urszula Antoniak. Eine Empfehlung von Herzen.

Auszug aus einem sehr wertvollen Interview mit der Filmemacherin Urszula Antoniak über “Nothing Personal”, um ihr Werk tiefgründiger Verstehen zu können. Danke an die Filmreporter.


Urszula Antoniak auf Wahrheitssuche – “Ironie ist das Gewürz des Lebens” *** Interview auf Filmreporter ***

Ricore: Wie haben Sie sie (Lotte Verbeck) auf die Rolle vorbereitet?
Antoniak: Sie fragte mich, was der psychologische Hintergrund dieses Charakters sei. Ich sagte ihr nur, dass sie alles von sich abwerfen soll […] Ich hatte ihr empfohlen, drei Wochen lang keine Musik zu hören, nicht in den Spiegel zu schauen, keine Telefonate entgegenzunehmen, nicht mit Menschen zu sprechen. Sie empfand das als sehr radikal […] Das habe ich ihr empfohlen, und das hat sie auch umgesetzt.

Ricore: Wie schwierig war es, eine passende Schauspielerin für die Rolle der Anne zu finden?
Antoniak: Das ging ganz schnell. Ich sah Lotte Verbeek auf einem Foto und wusste sofort, dass sie es sein wird. Für mich ist das Casting von Schauspielern wie das Verlieben […] Lotte hat ein charismatisches Gesicht, eines unter Millionen. Aber sie verfügt auch über eine Gewisse Portion Selbstironie. Es war schön mit ihr zu arbeiten.

Ricore: Wie wichtig ist für Sie die Einsamkeit als Künstlerin?
Antoniak: […] Ich brauche die Einsamkeit. Nach dem Tod meines Mannes saß ich in den letzten fünf Jahren alleine in meinem Apartment, ohne Musik, Fernsehen oder Radio. Das kann sehr bequem sein. Das sind gute Bedingungen, um zu schreiben. […]

Ricore: Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Einsamkeit negativ ist, dass es zu viel an Einsamkeit ist?
Antoniak: Ich empfinde Einsamkeit als natürlichen Zustand. Sie überkommt mich nicht einfach. Ich betrachte es nicht als mein Schicksal, alleine zu sein, ich habe die Einsamkeit freiwillig gewählt […]



Gedanklich trifft Urszula Antoniak mit der Thematik dieses Films bei mir absolut bis in meine tiefste Seele. Einer der wichtigsten Filme in meinem Leben. Da der Film aber “Nothing Personal” heißt, werde ich es handhaben wie Anne in Bezug auf das Preisgeben von Lebensereignissen.

Danke Urszula Antoniak, für dieses ruhige und wunderschöne Werk voller Kraft!

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Die junge Holländerin Anne (Lotte Verbeck, European Shooting Star 2010) entflieht ihrem alten Leben und bricht mit ihrem Rucksack nach Irland auf. Unter Vermeidung jeglichen Kontakt’s zu anderen Menschen sucht sie hier die absolute Einsamkeit. Ziellos mit Rucksack und Zelt unterwegs, trifft Anne irgendwann auf den älteren Intellektuellen Martin(Stephen Rea), der auf einer kleinen Halbinsel in Connemara (Irland) lebt, auf der als einziges nur sein Haus steht. Nur wiederwillig geht Anne die von Martin angebotene Zweckgemeinschaft ein: Arbeit gegen Essen. Einzige Bedingung: Kein persönlicher Kontakt und Martin darf Anne absolut keine Fragen stellen, dieses bezieht sich auch auf ihren Namen. In der atemberaubend schönen westirischen Landschaft beginnt an langsames sich annähern der beiden einsamen Seelen. Eine ganz eigene Liebesgeschichte.

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Regie: Urszula Antoniak
Schauspieler: Lotte Verbeek, Stephen Rea, Tom Charlfa, Fintan Halpenny, Ann Marie Horan, Sean McRonnel
Genre: Drama
Produktionsland: Irland, Niederlande
Kinostart: 2010
Laufzeit: 85 Minuten
FSK: 6

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Die Regisseurin Urszula Antoniak und die Schauspielrin am Set von “Nothing Personal”
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