Posted by herr.filmtanz on Jan 14, 2014

Ploy | Kritik

Ein bisschen Ploy braucht jede Ehe irgendwann mal :-)

Wenn der Mann und die Frau streiten,
dann ist das ein Spiel. Die Frau möchte, dass
ihr Mann ihr sagt, dass er sie liebt und der
Mann weiß das – also tut er alles Mögliche,
um es nicht zu sagen, nur um zu sehen, wie
weit er sie frustrieren kann. *Pen-ek Ratanaruang*

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Kritik
Ein Hotel ist Mittelpunkt der Handlung. Eine unpersönliche kühle Atmosphäre strahlen die langen verwinkelten Flure und Zimmer aus. Ein Hotel als Hauptdarsteller, welches hinter verschlossenen Türen in den Zimmern und an der Bar schon so unendlich viele Menschen beobachtet und belauscht hat. In aller Ruhe führt uns die Kamera durch das Hotel, wechselt die Blickwinkel, und beobachtet zwei Paare in zwei unterschiedlichen Zimmern. Es wirkt als währe man selbst das Hotel das beobachtet.

Dang ist ein ehemaliger thailändischer Filmstar. Eine Frau die nicht mehr im Rampenlicht steht und sie ihr Leben nur noch mit Alkohol ertragen kann. Bezogen auf die Beziehung mit Wit steht sie im siebten Jahr der Ehe ebenfalls nicht mehr im Rampenlicht. Genau in diesem Moment lernt er an der Bar die wunderschöne blutjunge Ploy kennen. Die Kamera beobachtet die Szene zum einen aus dem Blickwinkel “Der Hotel Augen” aber auch aus dem Blickwinkel des Barmanns. Eine von vielen Szenen die Meisterhaft von der Kamera in Szene gesetzt werden. Wit nimmt darauf hin Ploy mit in seine Suite, in der sich ja auch noch seine Ehefrau Dang befindet, die einfach nur schlafen möchte nach dem Zehnstundenflug.  Öffnet man nun als die Ehefrau Dang die Hotel-Suite-Tür und sieht den Ehemann mit Ploy da stehen kann man sich gut in ihre Lage versetzen. Die Luft beginnt zu brennen zwischen Dang und Wit und es entbrannt eine Kommunikation zwischen dem Ehepaar die man sich ebenfalls leicht denken kann. Dang ist eifersüchtig auf die bildhübsche Ploy, in den Gesprächen wird schnell klar, dass sie sich auch mal wieder Sex wünscht, was mit Wit zusammen machen will, und es unmöglich findet, dass Wit (er ist Restaurant-Besitzer) nach Feierabend mit seinen Freunden abhängt. Wit antwortet dann mit Sätzen der Unverständnis, sagt hast du deine Tage, findet es unhaltbar das Dang sein Handy kontrolliert. Szenen die sowohl in den Gesprächen aber im Besonderen auch fantastisch fotografiert sind. Bebildert werden auch – oder ist es Realität – die Gedanken von Dang in Bezug auf Ploy, krankhafte und folgenschwere Eifersucht. Dang entflieht dann der Suite und entschwindet in die Großstadt, mit all den Gefahren welche auch bebildert werden – Traum oder Wirklichkeit. Jedenfalls ist jetzt der ältere Wit mit der blutjungen Ploy alleine auf der Suite. Es beginnt eine wunderbare Kommunikation zwischen Ploy und Wit als sie zusammen auf dem Bett liegen :-)

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In einem anderen Hotelzimmer werden wir, aus dem Blick “Der Hotel Augen”, Beobachter einer wortlosen Liebesszene voller Leidenschaftlicher Erotik und sich dem anderen Körper vor Sehnsucht nach Liebe hingebend. Es ist der Barmann und das Zimmermädchen in dieser Szene, die hier etwas Verbotenes tun. Szenen der Sehnsucht nach dem Begehren eines anderen Körpers und der Liebe zu dem Menschen, die hier so ruhig und mit einer absoluten knisternden Erotik bebildert werden, wie ich sie noch nicht zuvor gesehen habe in einem Film. Fühlbare Leidenschaft, Liebe und Erotik so zu bebildern ist eine Meisterleistung für die den Nebendarstellern ein ganz großes Lob gilt :-)

Ist dieser perfekte erotische Liebesakt dem Traum von Ploy entsprungen oder ist er Wirklichkeit ? Hat die Ehefrau Dang wirklich ihrer krankhaften Eifersucht in Bezug auf die wunderschöne Ploy ihren Lauf gelassen und sie … – war es ein Traum ?  War die Ehefrau wirklich in Gefahr, als sie die Suite verlassen hat – oder war es ein Traum ?

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Dem Regisseur Pen-ek Ratanaruang ist hier ein sehr stilles, unglaubliches ruhiges und fantastisches Meisterwerk in Bezug auf die Beobachtung von Beziehung-Ehe und dem Verfallsdatum, Verlangen nach dem Erhalt der perfekten Liebe, das verflixte siebte Jahr, Leidenschaft und Erotik, Eifersucht, Sorge um den Partner, das Miteinander reden, über Wünsche und die sehr wichtige Aussprache unter Partnern und das aufeinander Zugehen gelungen. Es gibt in dem Film drei Wahrheiten – oder waren es nur drei Träume ?

Für mich gibt es in dem Film keinen Traum, nicht einen. Alles was hier dargestellt wird ist Wirklichkeit. Dieses macht den Film so unglaublich besonders :-) Jeder muss aber selbst entscheiden, was ist Traum, was ist Wirklichkeit. So unglaublich gelungen und spannend einen Film über das zu machen was sich jeden Tag hinter jeder Wand in einer Beziehung abspielt, irgendwann, meine Hochachtung. Es wird keiner zugeben, aber der Film hat so eine Tiefe, die ich so perfekt in einem Film noch nicht gesehen habe :-)

Der Film wäre fast gescheitert. Warum ? Es war für den Regisseur Pen-ek Ratanaruang sehr schwierig, die Rolle der Ploy zu besetzen. Er hat dann in einer Werbesendung die Schauspielerin Apinya Sakuljaroensuk gesehen und war sofort begeistert. Genau das ist die Ploy die er sich vorgestellt hat und schaut man den Film, wird einem dieses sofort klar :-) Apinya Sakuljaroensuk spielt so, als währe sie Ploy selbst, sie ist Ploy. Unglaublich natürlich, ungezwungen und das Leben noch vor sich habend. In diesem Alter hat man aber auch noch einen Traum von Liebe, Erotik und Leidenschaft. Sie ist überhaupt die wichtigste Kopplung zwischen Traum, Wirklichkeit und der hervorgerufenen Kommunikation zwischen einem Ehepaar – kurz vor dem Verfallsdatum :-)

Denkt euch mal bei der wunderschönen Apinya Sakuljaroensuk die tollen Haare weg. Was haben wir dann ? Richtig, Apinya Sakuljaroensuk in einer Hauptrolle in dem fantastischen Film Same Same But Different (mit David Kross)

Ohne die wunderbar hübsche Apinya Sakuljaroensuk als Ploy, hätte der Film niemals funktioniert. Einfach klasse und großen Dank für ihre Natürlichkeit in der Rolle :-) Großartiges Arthouse-Kino :-)

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Inhalt
Das in den USA lebende thailändische Ehepaar Wit und Dang reisen wegen einer Beerdigung eines Verwandten nach Bangkok. Vom Jetlag geplagt steigen sie in einem Luxushotel ab. An der Bar des Hotels lernt Wit die junge verführerische Ploy kennen und lädt sie auf seine Suite ein, damit sie sich etwas ausruhen und frisch machen kann. Seine alkoholabhängige Ehefrau Dang ist darüber sehr erbost und möchte das Wit Ploy wieder vor die Tür setzt. In einem anderen Zimmer geben sich der Barkeeper Nut und das Zimmermädchen leidenschaftlichen erotischen Spielen hin. Traum und Wirklichkeit beginnen zu verschwimmen.

Genre: Drama
Regie: Pen-ek Ratanaruang
Schauspieler: Pornwut Sarasin, Lalita Panyopas, Apinya Sakuljaroensuk, Porntip Papanai, Ananda Everingham
Produktionsland: Thailand
Kinostart: 2007
Laufzeit: 102 Minuten
FSK: 12


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