Posted by herr.filmtanz on Aug 31, 2015

Jeg reiser alene – Ich reise allein | Kritik

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Dienstag, 01.09.2015, um 20:15 Uhr auf ZDFKultur.

Der Student Jarle Klepp (Rolf Kristian Larsen), mit seinem feuerroten Haaren und seinem Wikingerbart, studiert Literaturtheorie. Um Frauen muss er sich wirklich keine Sorgen machen und ansonsten gibt es da noch Partys, Musik und Marcel Proust in seinem Leben. Ein typisches Studenten-Single-Leben, mit all dem was so dazu gehört eben. Der Tisch steht voller leerer Bierflaschen und man quatscht mit Freunden über Gott und die Welt. Das kommt mir alles sehr bekannt vor :-)

Für Jarle wird dieses Leben aber nur wenige Filmminuten weiter anhalten. Ganz ohne “Follow Me” ist sie plötzlich da, die sechsjährige Charlotte Isabel Hansen (Amina Eleonora Bergrem). Lotte ist das Produkt eines der vielen One-Night-Stand der vergangenen Jahre. Die Mutter von Lotte denkt, das sie nach fast sieben Jahren auch einem Urlaub verdient hat, und Jarle endlich mal erwachsen werden soll und Verantwortung übernehmen. Plötzlich Vater, von 0 auf 100, was ein Schock.
Das erinnert vom Plot her, Macho bekommt Kind zur Seite gestellt und muss Vater spielen, natürlich an ganz schreckliche Verbrechen, die in Deutschland der Leinwand angetan wurden und bestimmt weiter werden. Aber keine Sorge, ganz entspannt, wir sind hier in einem Film aus Norwegen, und zum Glück nicht in einem aus Deutschland :-)

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Ich konnte mich sofort in die Rolle des Jarle einfühlen. Erst einmal an Weltuntergang denken, ein Kind, das Leben ist gelaufen. Anfänglich verschliesst sich Jarle gegenüber der neuen Situation, im Laufe des Films wird er sich aber öffnen. Er ist eben ein Theoretiker, so gefangen in seiner Welt, das er erst mit Lottes Hilfe, das reale Leben durch sie erfahrend, seine Sätze über Marcel Proust vollenden kann. Lotte sagt ganz simpel und so wunderbar fantastisch zu Jarle: “Schreib doch, dass er dein Freund ist” :-) Überhaupt sind es auch diese stillen Momente, die so viel Spass machen. Aber keine Sorge, am Ende wird gefeiert, und zwar der Geburtstag von Lotte, als Maskenball. Nicht nur die Freunde von Jarle werden hier dabei sein, der übrigens ein vortreffliches Kostüm ausgewählt hat. Ein skandinavisches Happy-End oder nennen wir es authentisches :-) Schaut selbst :-)

Den Film durchzieht eine wunderbare Schwingung, die perfekt getimten leisen Humor und Probleme durchlebt, wie es einfach nur ein skandinavischer Film so fantastisch kann. Besonders begeistert hat mich auch der Titel ‘Jeg reiser alene (Ich reise allein)’ zu dem Film. Lotte die alleine reist am Anfang, Jarle, der theoretisch, am Anfang nur in seinem Kopf durchs Leben reist. Am Ende bekommt ‘Jeg reiser alene’ dann eine weitere Bedeutung. Unbedingt anschauen, wirklich eine echte Arthouse-Perle aus Norwegen :-)

Der Student Jarle Klepp (Rolf Kristian Larsen) fühlt sich zwischen Literaturtheorie, Partys und Affären ziemlich wohl. Eines Morgens flattert ihm ein Brief ins Haus und das Leben, wie Jarle es kannte, ist vorbei. Der Brief erklärt ihn zum Vater einer Tochter. Eine ganze Woche und ihren 7. Geburtstag soll Charlotte Isabel mit ihm verbringen. So will es die Mutter, ein One-Night-Stand aus Jugendtagen, die im Supermarkt arbeitet und endlich einmal Urlaub möchte. Beim Anblick ihres Papa und seiner verwüsteten Studentenbude voller Bücher und Zigaretten ist ‘Lotte’ (Amina Eleonora Bergrem) alles andere als begeistert. Und auch Jarle wehrt sich vehement gegen den plötzlichen Erziehungsauftrag. Sein Wissenschaftler-Dasein reagiert allergisch auf das Familienidyll mit Kind und Kassiererin. Doch während Lotte sein Leben auf den Kopf stellt und seine Freunde über die Macht der Biologie philosophieren, wächst ihm das Mädchen immer mehr ans Herz. Pünktlich zur Geburtstagsparty taucht dann auch Lottes Mutter auf und Jarle wird wieder klar, was ihn einst so an ihr fasziniert hat.
Regie: Stian Kristiansen, Darsteller: Ingrid Bolsø Berdal, Rolf Kristian Larsen, Pål Sverre Valheim Hagen, Amina Eleonora Bergrem, Trine Wiggen
(Drama, Komödie, Norwegen, 2011)

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[12.03.2014 #1242]

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