Posted by herr.filmtanz on Mar 17, 2014

Michael Kohlhaas [Kritik]

[16.03.2014 #1246] Michael Kohlhaas (2013, Deutschland, Frankreich)

MichaelKohlhaas

Mads Mikkelsen spielt den Pferdehändler Michael Kohlhaas im 16. Jahrhundert. Fotografisch gesehen macht hier Mads Mikkelsen, mit seinem markanten und rauen Gesicht, auf einer großen Leinwand fantastischen Spass, man könnte es fast sexy nennen.  Mads Mikkelsen, in der rauen Landschaft der Cevennen, rein optisch gesehen könnte es besser nicht zusammenpassen. Die Kamera spart hier nicht an Panoramaaufnahmen dieser fantastischen rauen Landschaft und auch das Gesicht von Mads Mikkelsen sieht man durch den gesamten Film hindurch immer wieder in Close-Up Aufnahmen. Nahezu konstant blicken wir den Film hindurch in ein Gesicht, welches von der Mimik her, genauso star bleibt wie die Landschaft selbst. Das ist in Bezug auf die Estetik der Bilder im Grunde kein Problem, ich habe aber den ganzen Film hindurch gewartet, dass sich Mads Mikkelsen endlich vollständig aktivieren darf, so wie wir in kennen. Irgendwann hat man sich auch mal satt gesehen an den Bildern. Es geht hier schliesslich um einen Film und nicht um ein Fotoshooting.

Das ist bestimmt nicht als Vorwurf gegenüber Mads Mikkelsen zu verstehen. Er ist für mich einer der intensivsten und geliebtesten Schauspieler. Aktiviert man ihn in Form des richtigen Drehbuchs und gibt ihn in die Hand des richtigen Regisseurs, wird es fantastisch, intensiv und unvergessen (Die Jagd, Die Tür, Flickering Lights, Adams Äpfel, Dänische Delikatessen, Pusher, …).

Der französische Regisseur Arnaud des Pallières wollte die Novelle ‘Michael Kohlhaas’ von Heinrich von Kleist verfilmen, dies ist ihm aber leider nahezu komplett misslungen. Er taucht eines der radikalsten Werke der deutschen Literatur in Stille. Eine Stille, die es nahezu unfühlbar macht und kein Transport, ausser ansprechender Optik, stattfindet. Man wartet wartet wartet und dann wird einem auch schon das Licht ausgeknipst.

Die Augen haben gefühlt, das Gehirn hat aber nichts gesehen.

Inhalt
Ein Mann fordert Gerechtigkeit und sein Recht: Michael Kohlhaas (Mads Mikkelsen) steht auf gegen die Lehnsherren und ihre Willkür. Im 16. Jahrhundert führt der Pferdehändler Kohlhaas ein glückliches Familienleben mit Frau und Tochter auf dem eigenen Hof. Auf dem Weg zum nächsten Markt verlangt der Verwalter des neuen Barons ohne rechtliche Grundlage einen Passierschein. Kohlhaas muss seine zwei Rappen als Pfand zurücklassen, die er später nach schonungsloser Feldarbeit in miserablem Zustand zurücknehmen soll. Gegen dieses Unrecht reicht der ehrliche und gläubige Mann erfolglos Klage ein. Als seine geliebte Frau bei der Prinzessin um Gerechtigkeit flehen will, wird sie gar nicht zu ihr vorgelassen, sondern von ihren Untergebenen abgewiesen und lebensbedrohend verletzt. Sie stirbt an den Folgen ihrer Verletzungen in Kohlhaas’ Armen. Untröstlich über den Verlust und voller Zorn gegen die ungerechte Obrigkeit begibt er sich gemeinsam mit seinen Getreuen und Rebellen aus der Bevölkerung auf einen Feldzug gegen die Herrschenden und hält das Land in Atem. Die Prinzessin bietet ihm freies Geleit an bis zur Wiederaufnahme der Rechtssache, wenn er die Waffen niederlegt. Kohlhaas geht auf die Bedingungen ein und schickt seine Männer nach Hause. Am Ende aber muss er für die Taten anderer büßen. Er bekommt zwar Recht, aber keine Gerechtigkeit, bezahlt seinen Kampf gegen die Obrigkeit mit dem Leben.
Regie: Arnaud des Pallières, Darsteller: Bruno Ganz, Mads Mikkelsen, Sergi Lopez, Amira Casar, David Kross, David Bennent, Denis Lavant, Paul Bartel, Mélusine Mayance, Jacques Nolot, Swann Arlaud, Roxane Duran, Delphine Chuillot

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