Posted by herr.filmtanz on May 15, 2014

Requiem [Kritik]

[10.05.2014 #1309] Requiem (2006, Deutschland)

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“Sie sitzen nur da und labern”. Dieses ist ein Satz, den die streng katholisch erzogene junge Michaela Klingler (Sandra Hüller) zu einem Priester sagt. Sie soll von einem Dämon bessessen sein, wird von ihrem Vater dabei unterstützt, ihren Wunsch umzusetzen, in Tübingen zu studieren. Für den Vater ist es gegenüber seiner Frau ein Wagnis. Michaela wirkt in ihrer neuen Welt in ihrer Mimik eingeschüchtert, komplett unsicher, ihre Augen strahlen eine Hoffnung aus, ein Kampf in dieser Welt. Und als sie den Jungen in dem Wohnheim trifft und küsst, sind ihre Augen voller Liebe und Dankbarkeit.

Michaela sagt dann zu ihrer Freundin “Ich höre Stimmen”, die dann nur antwortet, du brauchst eine Psychiater. Michaela kommt mit ihrer Welt nicht klar, in ihrer intensiv fühlbaren Angst, vor was ? Vor Menschen die selbst einen Psychiater brauchen.

Wie hier unschwer zu lesen ist, habe ich in keiner Sekunde einen Film über einen Exorzismus gesehen. Vielmehr habe ich einen Film über extremen religösen Fanatismus gesehen, welcher noch sehr lange und sehr intensiv nachwirken wird. Für mich ist es ein Film, der die unglaubliche Zerstörungskraft einer Religion aufzeigt und fühlbar macht.

Im Fazit möchte ich sagen, dieser Film hat mich durch meine Sichtweise, extrem aufgeregt und erschüttert. Wie gesagt, das ist kein Film über einen Exorzismus, vielmehr refektiert er unsere fanatische eingeschränkte Welt, die ich sehr verachte. Sieht man den Film als solches, ist es eine Meisterleistung. Besonderen Dank möchte ich Sandra Hüller in ihrer Rolle als Michaela Klingler aussprechen, unglaubglich unvergessen für alle Zeiten, das Wort Meisterleistung kommt hier aus tiefstem Herzen, ganz gottlos und ehrlich – Ich währe am liebsten in die Leinwand gesprungen und hätte Michaela und ihre Schwester sofort aus dieser Welt entrissen und adoptiert, eine verachtenswerte fanatische und wahnsinnige Welt. Liebe von Herzen heilt jede Wunden, genau dieses brauchte Michaela.

Inhalt
Anfang der 70er Jahre. Die junge Michaela Klingler (Sandra Hüller) verlässt ihr streng katholisches Elternhaus, um ein Studium zu beginnen. Glücklich genießt sie die ersten Schritte in der neuen Freiheit. Doch Michaela wird von ihrer Vergangenheit eingeholt: Sie hat immer öfter mit Wahnvorstellungen zu kämpfen, hört Stimmen und glaubt, von Dämonen besessen zu sein. Schließlich begibt sich Michaela in die Obhut eines jungen Priesters und stimmt einem Exorzismus zu.

Mit ‘Requiem’ ist Regisseur Hans-Christian Schmid (’23’, ‘Crazy’, ‘Nach fünf im Urwald’) ein Film von großer emotionaler Wucht gelungen. Wie schon bei seinem Thriller ’23’ erzählt Schmid in ‘Requiem’ nach einer wahren Begebenheit. An der Seite von Burghart Klaußner (‘Good bye, Lenin!’, ‘Die fetten Jahre sind vorbei’) und Imogen Kogge (‘Nachtgestalten’, ‘Barfuß’) gibt die junge Theaterschauspielerin Sandra Hüller in der Hauptrolle ihr fulminantes Leinwanddebüt und wurde dafür auf den 56. Internationalen Filmfestspielen Berlin als beste Darstellerin mit dem ‘Silbernen Bären’ ausgezeichnet.
Regie: Hans-Christian Schmid, Darsteller: Burghart Klaußner, Sandra Hüller, Imogen Kogge, Friederike Adolph, Anna Blomeier

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